Mönchtum

Knieender Mönch

Das Mönchtum ist der Königsweg der Mystik. Seine Bedeutung liegt im Weg der Heiligung selbst, in der Aufrichtung der geistigen Vertikale, der Achse der Ewigkeit, die als „axis mundi“ Himmel und Erde verbindet. Es ist nicht nach außen gerichtet, sondern eher verborgen, ein inneres Organ des Leibes Jesu Christi. Die Mönche sind Hüter des innersten Heiligtumes.

Das Mönchtum gründet nicht in dieser Welt, sondern in Gott, in der Ewigkeit. Es lässt sich nicht auf Lebensformen und Regeln, noch auf menschliche Ideen oder Neigungen zurückführen.

Mönch ist einer, der von Gott im Innersten berührt, dadurch aus der irdischen Normalität heraus gerissen wird und sich aus Liebe für Gott als Ganzopfer hingibt, in Ihm lebt, in Ihm atmet, in Ihm wirkt. Dies wird mit dem Eintritt in die heilige Gefolgschaft eines lebenden Altvaters zur konkreten Lebenswirklichkeit. Mit diesem „Ganzopfer“ überschreitet er die Schwelle zum Allerheiligsten des geistigen Tempels.

In und jenseits aller sichtbaren Tätigkeiten übt der Mönch das geistige Gebet, die unmittelbare Kommunikation mit Gott, das immerwährende „ganz in Gott sein“. Ziel des orthodoxen mönchischen Lebens ist Vergottung, die Gestaltwerdung des ewigen Urbildes.

Das Mönchtum wird auch als die christliche Fortführung des alttestamentlichen Prohphetentums beschrieben. Johannes der Täufer ist der letzte Mönch des alten Bundes; Johannes der Evangelist ist der erste Mönch des neuen Bundes. Damit wird auf die Geistunmittelbarkeit des Mönches verwiesen.

Die „asketischen Unterweisungen“ unseres heiligen Vaters Basileios des Großen sind keine „Mönchsregel“ im westlichen Sinne, sondern praktische Entfaltung des Evangeliums, grundlegende Anleitungen zum gottgeweihten Leben. Unverzichtbar bleibt darüber hinaus die mündliche, die sogenannte „ungeschriebene“ überlieferung, die vom Altvater im gemeinsamen Leben an die Jünger von Mund zu Ohr, von Herz zu Herz, von Geist zu Geist weitergegeben wird.

Voraussetzung für diesen Weg ist Hingabe in Liebe und Wahrheit. Die Ansprüche Gottes, wie sie in bestimmten Worten Jesu Chisti in den Evangelien überliefert sind, werden unverkürzt und in ihrem vollen geistigen Sinne angenommen. Im Gehorsam gegen den Altvater und im Erlernen und Verinnerlichen der heiligen überlieferung geschieht dann alles Weitere.

Das Noviziat, die Probe- und Lehrzeit, dauert 2 bis 4 Jahre. Beim Eintritt ins Noviziat sollte man unter 25 sein.